Aktuelles

Die Arbeitsweise der Stiftung 

 

2010 umfasst der Stiftungsrat 15 Mitglieder: drei Mitglieder ex officio (den Präsidenten, den Direktor des Bundesamtes für Statistik und den Vertreter des französischen Botschafters in der Schweiz), sowie 12 Mitglieder der Universitäten Basel, Bern, Genf, Freiburg, Lausanne, Luzern, Neuenburg, St. Gallen, Zürich und der italienischen Schweiz, und der beiden Eidgenössischen Technischen Hochschulen von Lausanne und Zürich.

Die Stiftungsräte, welche die Universitäten und Hochschulen vertreten, werden vom Bundesrat auf Vorschlag der Stiftung hin ernannt. Diese lädt die Leitungsgremien und Rektorate der Hochschulen rechtzeitig ein, einen Vertreter oder eine Vertreterin vorzuschlagen, wobei sie versucht hinsichtlich des vertretenen wissenschaftlichen Fachs steuernd einzugreifen, um in dieser Weise zu gewährleisten, dass eine breite Palette an Disziplinen im Stiftungsrat vertreten ist. Seit 1956 ist dieser einer ausserparlamentarischen Kommission gleichgestellt und für die Mitglieder gelten die gleichen Regeln, insbesondere die maximale Amtszeit von 12 Jahren. Seit der Präsidentschaft von Bundesrat Philipp Etter, welcher der Stiftung von 1934 bis 1959 vorstand, hat sich zudem der Usus etabliert, die ehemaligen Präsidenten vom Bundesrat zu Ehrenpräsidenten auf Lebenszeit ernennen zu lassen.

In der Regel trifft sich der Stiftungsrat nur ein Mal pro Jahr, um den Preisträger des Jahres zu bestimmen und die Preissumme festzusetzen. An dieser Plenarsitzung werden aber auch andere Themen behandelt, die laut Statuten zu seinen Aufgaben gehören. Lässt sich kein Konsens erreichen, so werden die Entscheidungen mit absolutem Mehr getroffen. Seit den ersten Stiftungsjahren wurde die jährliche Sitzung bis auf wenige Ausnahmen immer in einer nicht-universitären Stadt der Schweiz durchgeführt. Für die Stiftungsräte stellen diese beiden Tage auch eine Gelegenheit dar, einige Momente der Entspannung unter Kollegen zu verbringen und die kulturelle Vielfalt der Schweiz zu erleben. Die Sitzung wird vom Stiftungssekretär und vom Stiftungsausschuss vorbereitet, dem der Präsident, die beiden Vizepräsidenten und ein Beisitzer angehören. Laufende Geschäfte werden vom Stiftungssekretär mit Unterstützung des Ausschusses erledigt. Der Sekretär ist ein Bundesangestellter, der diese Aufgabe teilzeitlich im Rahmen seiner weiteren beruflichen Verpflichtungen wahrnimmt und der dafür auf das Personal und die Infrastruktur der Bundesstelle zurückgreifen kann, der er angehört. Der Stiftungsrat bezeichnet zudem eine unabhängige Treuhandstelle zur Prüfung der Buchführung.

Eine 2007 publizierte Informationsbroschüre kann vom Sekretariat gratis bezogen werden (bitte Kontakt anklicken).

Der Stiftungsrat 

Präsident:
Didier Burkhalter
Bundesrat, Chef des Eidgenössischen Departements des Innern
http://www.edi.admin.ch
Erster Vizepräsident:
Prof. Dr. Martin Schwab
Vertreter der Universität Zürich
http://www.unizh.ch/
Zweiter Vizepräsident:
Dr. Jürg Marti
Direktor des Bundesamtes für Statistik
http://www.bfs.admin.ch
Mitglieder:
Prof. Hubert van den Bergh
Vertreter der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne
http://lpas.epfl.ch/
Prof. Vincent Kaufmann
Vertreter der Universität St. Gallen
http://www.kwa.unisg.ch/
Prof. Dr. John P. Maier
Vertreter der Universität Basel
http://www.chemie.unibas.ch/~maier/
Prof. Dr. Rico Maggi
Vertreter der Universität der italienischen Schweiz
http://www.ire.eco.unisi.ch/
Prof. Dr. Jean-Pierre Montani
Vertreter der Universität Freiburg
http://www.unifr.ch/inph
Prof. Dr. Martine Rahier
Vertreterin der Universität Neuenburg
http://www.unine.ch/
Prof. Dr. Anik de Ribaupierre
Vertreterin der Universität Genf
http://www.unige.ch/
Prof. Dr. Paul Richli
Vertreter der Universität Luzern
http://www.unilu.ch/deu/prof._paul_richlifachbereich_9580.aspx
Prof. Dr. Jean-Hilaire Saurat
Vertreter des französischen Botschafters in der Schweiz
http://www.hcuge.ch
Prof. Dr. Christoph Schäublin
Vertreter der Universität Bern
http://www.unibe.ch
Prof. Dr. Maia Wentland Forte
Vertreterin der Universität Lausanne
http://kmu.unil.ch/mwentlan
Prof. Dr. Kurt Wüthrich
Vertreter der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich
http://www.mol.biol.ethz.ch/wuthrich/
Sekretär:
Dr. François Baumgartner
Generalsekretariat - Eidg. Departement des Innern
http://www.edi.admin.ch
Ehrenpräsidenten und ehemalige Präsidenten:
Pascal Couchepin
Alt-Bundesrat und ehemaliger Chef des Eidgenössischen Departements des Innern

Ruth Dreifuss
Alt-Bundesrätin und ehemalige Chefin des Eidgenössischen Departements des Innern
Flavio Cotti
Alt-Bundesrat und ehemaliger Chef des Eidgenössischen Departements des Innern

Alphons Egli
Alt-Bundesrat und ehemaliger Chef des Eidgenössischen Departements des Innern

Das Stiftungsvermögen

Die Marcel-Benoist-Stiftung erhielt bei ihrer Gründung im Jahr 1920 ein Wertschriften-Portefeuille, das teils bei der Schweizerischen Nationalbank, teils beim Schweizerischen Bankverein in Basel lag, sowie eine Sammlung bestehend aus Kunstgegenständen und Büchern, die der Obhut der Stadt Lausanne übergeben worden war. Natürlich stellte nur das Wertschriften-Portefeuille eine Einkommensquelle für die Stiftung dar.

Nach Auszahlung der bei der Testamentsvollstreckung vorgesehenen Entschädigung an die Familienangehörigen von Marcel Benoist umfasste das Portefeuille noch 32 Werttitel der internen spanischen Rente, 261 Obligationen der Schweizerischen Bundesbahnen, 550 Obligationen der Lombardischen Eisenbahn, und 486 bzw. 1514 Obligationen der griechischen Staatsanleihe von 1881 bzw. 1884. Zusammen genommen beliefen sich die Titel auf einen Nominalwert von rund einer Million Franken, damals eine beachtliche Summe, die jedoch nur für rund 840 000 Franken börsenkotiert waren. 1920 zahlten die Lombardische Eisenbahn im Übrigen keine Zinsen mehr.

Diese schlechte Finanzlage, auf die bereits im ersten Finanzbericht hingewiesen wurde, war eine Folge der Umwälzungen des ersten Weltkriegs. Die Krisen der Zwischenkriegszeit und der zweite Weltkrieg sollten die Lage noch zusätzlich verschlechtern. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Geschichte der Vermögenslage der Marcel-Benoist-Stiftung die Geschichte einer anhaltenden Bemühung ist, die Preissumme auf einem akzeptablen Niveau zu halten bei gleichzeitiger Leistung der Leibrente an Gabrielle Duvivier bis ins Jahr 1976, einer Rente, die von anfänglich 6000 Franken pro Jahr allmählich auf jährliche 15 000 Franken anstieg.

Im schlimmsten Moment der Krise, im Jahr 1957, berief man alle Preisträger nach Solothurn zu einer Sitzung ein, um eine Lösung zu finden. Man entschied, einen Spendenaufruf an die industriellen Kreise der Schweiz zu richten; allerdings blieb das Ergebnis dieser Aktion bescheiden (123 000 Franken). 1963 scheiterte ein Gesuch an den Bund um Kapitalerhöhung an der Opposition der eidgenössischen Finanzverwaltung, ungeachtet der Unterstützung, die das Ansinnen in den betroffenen parlamentarischen Kommissionen fand.

Erst im Jahr 1980 kam es zu einer relativen Entspannung der Situation. In jenem Jahr wurde die Umwandlung der auf einem Konto des Bundes platzierten Vermögenstitel abgeschlossen; auf Grund des Hinschieds von Gabrielle Duvivier musste die Stiftung seit 1976 keine Leibrente mehr bezahlen und der Verkauf der Kunstsammlung von Marcel Benoist an die Stadt Lausanne im Jahr 1966 hatte eine Summe von 750 000 Franken eingebracht.

1996 machte die Stiftung Silva Casa, Testamentsvollzieherin der Witwe des Galeristen und Sammlers Justin Thannhauser, der Marcel-Benoist-Stiftung eine Schenkung in der Höhe von einer Million Franken, womit das Stiftungsvermögen auf drei Millionen Franken hochschnellte. Dank diesem grosszügigen Geschenk konnte die Stiftung das Preisgeld auf 100'000 Franken anheben und ihr Vermögen aktiver verwalten, um die längerfristige Rendite zu verbessern. Zu diesem Zweck verschob man die Aktiven nach und nach zu einem privaten Vermögensverwalter (zur Bank Lombard Odier Darier Hentsch & Cie in Genf). Zehn Jahre später, Ende 2006, war dieser Transfer abgeschlossen und das Konto bei der Eidgenossenschaft aufgehoben.

Diese schwierigen Jahre gingen nicht spurlos an der Stiftung vorüber. Trotz des Zuschusses an liquiden Mitteln ist das reale Vermögen geschrumpft. Dies lässt sich besonders deutlich anhand des Preisgeldes zeigen. Die Summe von 20 000 Franken, welche die Stiftung im Jahr 1920 ausschüttete, würde heute kaufkraftbereinigt einem Betrag von rund 400 000 Franken entsprechen; mit der aktuellen Dotierung von 100 000 Franken ist man weit von dieser Marke entfernt. Es ist keine übermässige Schwarzmalerei, wenn man feststellt, dass die längerfristige Zukunft der Marcel-Benoist-Stiftung und ihres Preises nur mit einer bedeutenden Aufstockung des Vermögens gesichert werden kann.

Die wertvollsten Stücke der Sammlung Benoist sind die Tapisserien. Hier ist – leider ohne Farbe – eine Verdure mit Pelikan der Königlichen Manufaktur Beauvais zu sehen (Ende 16. Jh./anfangs 17. Jh.). © Historisches Museum Lausanne.

Tapisserie