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| Die Preisübergabe 1956: Paul Vollenweider, Bundesrat Philipp Etter, der Preisträger Siegfried Rosin, Ernst Gäumann, Hans Rudolf Schinz und Aloys Müller (von links nach rechts). |
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Während rund 75 Jahren wurde der Marcel-Benoist-Preis in aller Stille überreicht. Beweis dafür ist eine Passage aus dem Protokoll der 37. Sitzung des Stiftungsrates aus dem Jahr 1957, das einer anderen Epoche zu entstammen scheint: «Auf Befragen aus der Mitte der Kommission [heute: Stiftungsrat] gibt der Vorsitzende Auskunft über das Zeremoniell bei der Preisübergabe, das der schweizerischen Einfachheit und der Bescheidenheit unserer Wissenschafter Rechnung trägt. Die Übergabe findet im Büro des Präsidenten statt, das zu diesem Zwecke von der Bundesgärtnerei mit Blumen und Grünpflanzen besonders schön ausgeschmückt wird. Eingeladen sind der Preisträger, die Mitglieder der Subkommission [heute: Stiftungssausschuss] und der Referent, der die Laudatio zu halten hat. Der Präsident begrüsst den Preisträger, entbietet ihm die herzlichsten Glückwünsche und erteilt dann das Wort dem Referenten, der die wissenschaftlichen Verdienste des Preisträgers, dessen Publikationen und Lebenswerk eingehend und lobend würdigt. Hierauf übergibt der Präsident den Preis. Anschliessend wird dem Preisträger das Wort erteilt. Der Name, die Titel der Publikation und eine kurze Würdigung der wissenschaftlichen Tätigkeit des
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| Geehrten sowie das Datum der Preisübergabe werden ins goldene Buch eingetragen und mit der Unterschrift des Laureaten und des Präsidenten versehen. Eine Photo (mindestens Postkartengrösse) des Preisträgers wird in ein spezielles Album aufgenommen. Der Geldbetrag wird je nach Wunsch ausgehändigt oder überwiesen. Im Anschluss an diese Feier findet im Café Du Théâtre, immer im gleichen Salon des I. Stocks, das gemeinsame Mittagessen statt, das jeweils Gelegenheit zu wissenschaftlichen und freundschaftlichen Gesprächen bietet.» |
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Erst ab 1960 wurde für die Preisübergabe jeweils auch die Gattin des Laureaten eingeladen, und dies auch nur deswegen, weil eine von ihnen, Doris Gäumann-Wild, sich über die Situation beklagt hatte mit dem Hinweis darauf, wieviel die Karriere eines Wissenschaftlers der Unterstützung durch die Ehefrau schulde. Damit die Frau des Geehrten sich nicht ganz alleine in Männergesellschaft befand, lud man von nun an auch die Gattin des Präsidenten ein. Ab 1961 erhielten der Stiftungsrat in corpore sowie die Ehrenpräsidenten eine Einladung für die Preisübergabe, ab den 1980er-Jahren auch deren Gattinnen, allerdings nur jedes zweite Jahr! Der französische Botschafter in der Schweiz war nur selten zugegen, wurde aber offenbar auch nicht regelmässig eingeladen. Angesichts der Zunahme der Teilnehmenden verlegte man die Preisübergabe vom Büro des Präsidenten in den Ständeratssaal und das Mittagessen vom Café Du Théâtre ins von Wattenwyl-Haus oder in den Landsitz Lohn. Die letzte Preisübergabe nach diesen alten Gepflogenheiten war jene des Jahres 1993 für Gottfried Schatz.
Für diese Diskretion bei der Preisverleihung zahlte die Stiftung am Ende einen hohen Preis. Zu Beginn der 1990er-Jahre war der Marcel-Benoist-Preis halbwegs in Vergessenheit geraten, die Presse nahm sich nicht mehr die Mühe, darüber zu berichten, und einige Preisträger hielten es nicht einmal mehr für angezeigt, ihn in ihrem Curriculum zu erwähnen. Der Stiftungsrat war sich über den Ernst der Lage im Klaren, packte deshalb den Stier an den Hörnern und beschloss, den Ablauf und die Art und Weise der Preisverleihung vollständig umzukrempeln. Seit 1994 wird der Preis mit einem öffentlichen Zeremoniell in den Räumen der Universität übergeben, an der der Preisträger arbeitet. Die Übergabe wird in der Hochschule mit Plakaten und Programmen breit angekündigt und alle schweizerischen Forschungsinstitute und -abteilungen, die sich mit einem dem preisgekrönten Gebiet verwandten Arbeitsfeld befassen, werden ebenfalls auf die Veranstaltung aufmerksam gemacht. Zudem werden viele persönliche Einladungen verschickt. Diese gehen an die Eltern, Freunde, Kollegen und Mitarbeitenden des Preisträgers. Hinzu kommen die Gäste der Marcel-Benoist-Stiftung, als da sind die ehemaligen und aktuellen Stiftungsräte einschliesslich des französischen Botschafters, die bisherigen Preisträger der Universität, an der die Preisverleihung stattfindet, sowie Vertreter von Unterstützungsgremien der Forschung oder der Wissenschaftspolitik. Schliesslich werden auch die Universitätsbehörden und lokale Politikerinnen und Politiker eingeladen. Der Zeremonie folgt ein Aperitif, und für die persönlich eingeladenen Gäste geht es danach weiter an ein Bankett. Die vom Pressedienst der jeweiligen Hochschule eingeladene Presse ist ebenfalls zugegen.
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Aus dem alten Zeremoniell übernommen wurde das Goldene Buch. Zum Preis gehört nebst dem vom Stiftungsrat bestimmten Preisgeld auch ein Zertifikat. Die Rede des Stiftungspräsidenten behandelt meistens ein wissenschaftspolitisches Thema, an das die Arbeiten des Laureaten gemahnen. Der Stiftungsrat, dessen Fachgebiet jenem des Preisträgers am nächsten ist, hält die Würdigungsrede. Und schliesslich versucht der Preisträger in seiner Rede, Natur, Interesse und Bedeutung seiner Arbeiten einem breiten Publikum näher zu bringen. Der ganze Anlass wird musikalisch eingerahmt.
Im Jahr 1995 fand die Preisübergabe aus Anlass des 75. Jubiläums der Stiftung ausnahmsweise in einem festlicheren Rahmen statt und wurde im Nationalratssaal des Bundeshauses in Bern durchgeführt.
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Bundesrat Pascal Couchepin (rechts) übergibt am 15. September 2006 den Marcel-Benoist-Preis an Prof. Timothy Richmond (links) in Anwesenheit eines grossen Publikums im Auditorium Maximum der ETH Zürich.
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