| Ein einziger Preis |
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1. Ein jährlicher Preis…Laut dem Willen von Marcel Benoist wird der Preis jedes Jahr verliehen und von dieser Regel ist man nie abgewichen. Für den ersten Stiftungsrat war dies gar nicht so evident: Einige Mitglieder zweifelten ernsthaft daran, ob das wissenschaftliche Milieu eines kleinen Landes wie der Schweiz in der Lage sei, jedes Jahr ein ausreichend bedeutendes Werk hervorzubringen. Man ersann sogar Lösungen für den Fall, dass der Preis nicht verliehen werden könnte, aber sie wurden von Anwalt Sayet, dem Vertreter der Familie Benoist, alle kompromisslos bekämpft. Er lag richtig damit, denn die Erfahrung zeigte, dass die ursprünglichen Befürchtungen unbegründet waren: Nie musste die Preisverleihung mangels Vorliegen qualitativ hochstehender Arbeiten verschoben werden. 2. …für eine während des Jahres gemachte ArbeitIm Gegensatz zur Anforderung an die jährliche Preisvergabe wurde die Auflage, der Preis solle einer während des Jahres gemachten Arbeit zukommen, nie beachtet. Die Sitzungsprotokolle des Stiftungsrates zeigen, dass man diese Bedingung bereits an den allerersten Sitzungen als völlig unvereinbar mit wissenschaftlichem Arbeiten verwarf, vor allem mit der Anforderung an die unabhängige Bestätigung von Forschungsresultaten, die notwendigerweise der Zeit bedarf. Sowohl Marcel Benoist wie auch Alfred Nobel, dessen Testament eine ähnliche Passage aufweist und vielleicht als Inspiration diente, waren mit der Realität des Forschungsbetriebs offensichtlich überhaupt nicht vertraut. Bis zu Beginn der 60er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts bediente sich der Stiftungsrat eines Tricks, um dieser Bestimmung scheinbar zu genügen: Er zeichnete ausdrücklich nicht die Gesamtheit der Arbeiten eines Preisträgers aus, sondern einen im Preisjahr erschienenen Aufsatz oder eine Monographie, in welcher der Laureat seine Forschungen zusammenfasst. Mit der Zunahme der Publikation vieler Kurzartikel in Fachzeitschriften, die der Veröffentlichung neuer Forschungsresultate dienen, wurde es aber immer schwieriger, diesen Trick erfolgreich anzuwenden, und der Stiftungsrat musste schliesslich offen zugeben, dass er nicht einmal mehr dem Schein nach eine unrealistische Bedingung zu erfüllen vermochte. 3. Ein einziger PreisDer Wortlaut des Testaments von Marcel Benoist – wiederum ganz ähnlich wie in Alfred Nobels Testament für seine fünf Preise – hält klar fest, dass jedes Jahr ein einziger Preis an einen einzigen Wissenschaftler zu vergeben sei. Sehr früh schon führte diese Bestimmung zu Problemen und hatte eine systematische Ablehnung wertvoller Kollektivarbeiten zur Folge. Mit der allmählichen Zunahme der Anzahl Forscher, mit der Verbreitung der Teamarbeit und dem stärker werdenden angelsächsischen Einfluss, der eine Schwächung der autokratischen Position der ordentlichen Professoren bewirkte, wurde die Einhaltung dieser Vorschrift immer schwieriger. Nach langen Jahren des Zögerns machte der Stiftungsrat 1966 zum ersten Mal den entscheidenden Schritt und verlieh den Preis gemeinsam an Eduard Kellenberger und Alfred Tissières von der Universität Genf, die sich beide gleichermassen als Begründer der Molekularbiologie in der Schweiz verdient gemacht hatten. In der Folge wurde der Preis bis 2006 allerdings nur elf Mal erneut geteilt, was darauf hinweist, dass diese Praxis für den Stiftungsrat zwar akzeptabel ist, aber doch die Ausnahme bleiben soll. Wie bereits erwähnt finden sich im Testament von Alfred Nobel ganz ähnliche Bestimmungen und die Nobel-Stiftung sah sich daher mit dem gleichen Problem konfrontiert. Interessanterweise hatte sich aber diese Stiftung viel früher schon, bereits vor dem zweiten Weltkrieg, dazu entschlossen, unrealistische testamentarische Auflagen nicht mehr zu beachten. Sah sich der Stiftungsrat der Marcel- Benoist-Stiftung seinerseits gezwungen, schwierige Bestimmungen des Erblassers abzuschaffen, so berief er sich gerne auf das Vorbild der schwedischen Stiftung, um seine unvermeidlichen Entscheidungen zu rechtfertigen, die seiner Meinung nach eine formelle Missachtung des testamentarischen Willens darstellten.
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