Geschichtliches

Die Stiftung: Das «Kind» des schweizerischen Bundesrates 

Beschluss Mit Annahme des Erbes von Marcel Benoist ver­pflichtete sich die «Regierung der helvetischen Repu­blik», das heisst der Bundesrat, die Hauptbedin­gung des Testaments zu beachten und einen jähr­lichen Wissenschaftspreis auszurichten. Dies konn­te der Bundesrat natürlich nicht selber tun. Er hätte die Aufgabe an eine Bundesstelle delegieren können, aber im Bestreben um grösstmögliche Unabhängigkeit entschloss er sich zur Schaffung einer Stiftung, eben der Marcel-Benoist-Stiftung. Er übergab das Erbe dieser Stiftung, damit diese mit den Vermögenseinkünften den Preis ausrich­ten konnte und verpflichtete sie zur Zahlung der Leibrente an Gabrielle Duvivier, wie dies der Erb­lasser gewünscht hatte. Offiziell entstand die Marcel-Benoist-Stiftung ge­mäss Artikel 80 und 86 ZGB mit Annahme der Sta­tuten am 19. November 1920 durch den Bundesrat; sie wurde ins Handelsregister des Kantons Bern ein­getragen. Einige Besonderheiten weisen auf ihren engen Bezug zum Bundesrat hin, der auch heute noch besteht. So ist sie offiziell im Eidgenössischen Departement des Innern angesiedelt und steht un­ter der direkten Überwachung des Bundesrates, dem sie einen Jahresbericht und alle eventuellen Statutenänderungen zur Genehmigung unterbrei­ten muss. Zwei ex officio-Mitglieder des Stiftungsra­tes vertreten den Bund: Der Präsident oder die Präsidentin ist stets der Vorsteher oder die Vorsteherin des EDI, während der zweite Vizepräsident ein hoher Beamter oder eine hohe Beamtin desselben Departements ist, zuständig für Wissenschaftspolitik oder öffentliche Gesundheit. Die anderen Mitglie­der des Stiftungsrates werden von den Universitäten und den Eidgenössischen Technischen Hochschu­len bestimmt, wobei deren Ernennung durch den Bundesrat genehmigt werden muss. Und schliess­lich gehört die Führung des Stiftungssekretariates seit jeher zum Pflichtenheft eines Bundesbeamten, der für diese Aufgabe auf das Personal und die In­frastruktur seiner Bundesstelle zurückgreifen kann. Dies stellt eine bedeutende «Naturalleistung» des Bundes zu Gunsten der Stiftung dar und ermöglicht es, dass ihre Mittel im Wesentlichen für die Dotie­rung des Preises eingesetzt werden, ganz nach dem Willen von Marcel Benoist. Im Andenken an die französische Nationalität von Marcel Benoist bestimmte der Bundesrat, dass der französische Botschafter in der Schweiz ex officio Mitglied des Stiftungsrates sein soll, gab ihm statuarisch jedoch die Möglichkeit, sich vertreten zu las­sen, ein Recht, von dem alle Botschafter bisher Ge­brauch gemacht haben. Die ursprünglichen Statuten sahen zudem vor, dass ein Vertreter der Familie von Marcel Benoist während der ersten zehn Jahre der Stiftung Einsitz in den Stiftungsrat nehme. Die Familie ernannte dazu Etienne Sayet, einen Pariser Anwalt und Freund von Marcel Benoist, der auch als Testamentsvollstrecker waltete. Er blieb Stiftungs­ratsmitglied bis zu seinem Tod im Jahr 1942.

Die Stiftungsratsmitglieder seit 1920

1    Das Präsidium

Dieses Amt wird statutengemäss ex officio von jenem Bundesrat oder jener Bundesrätin bekleidet, der oder die dem Eidgenössischen Departement des Innern (EDI) vorsteht.

Ernest Chuard (1920–1928), Marcel Pilet-Golaz (1929), Albert Meyer (1930–1934), Philipp Etter (1934–1959), Hans Peter Tschudi (1960–1973), Hans Hürlimann (1974–1982), Alphons Egli (1983– 1986), Flavio Cotti (1987–1993), Ruth Dreifuss (1993–2002), Pascal Couchepin (2003-2009), Didier Burkhalter (seit 2009).

2    Spitzenbeamte des EDI aus den Bereichen Wissenschaftspolitik oder öffentliches Gesundheitswesen

Bei der Gründung der Stiftung im Jahr 1920 wollte man einen nahen Mitarbeiter des Vorstehers des EDI mit einer wissenschaftlichen oder medizinischen Ausbildung in den Stiftungsrat berufen. Die ursprünglichen Statuten designierten dazu ex officio den Direktor des Bundesamts für Gesundheit. Die 1997 revidierten Statuten überlassen es dem Vorsteher des EDI, einen Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin seiner Wahl zu ernennen.

Henri Carrière (1920–1941), Charles Fauconnet (1941–1945), Paul Vollenweider (1946–1962), Arnold Sauter (1962–1973), Ulrich Frey (1974–1983), Beat A. Roos (1984–1990), Thomas Zeltner (1991-2009), Jürg Marti (seit 2010).

3    Die Vertreter des französischen Botschafters in der Schweiz

Traditionellerweise ist der Vertreter des französischen Botschafters in der Schweiz ein Professor französischer Nationalität, der an einer schweizerischen Hochschule arbeitet; einzig von 1993 bis 2002 übernahm der Attaché für Wissenschaft und Technologie der französischen Botschaft dieses Amt.

Charles Leclère (1920–1921), Paul Girardin (Universität Freiburg, 1921–1949), René Bray (Universität Lausanne, 1950–1954), Paul Hauduroy (Universität Lausanne, 1955–1967), Georges Winckler (Universität Lausanne, 1967–1977), Paul Laugier (Universität Genf, 1978–1992), Alain Péguy (Französische Botschaft, 1993–1997), Georges Crozat (Französische Botschaft, 1997–2002), Jean-Hilaire Saurat (Universität Genf, seit 2003).

4    Die Vertreter der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL)

Die Technische Hochschule der Universität Lausanne (EPUL) wurde erst bei deren Übernahme durch den Bund 1971 zu einer eidgenössischen Institution (EPFL).

Emmanuel Mooser (1971–1987), Antonio Quattropani (1988–2000), Hubert van den Bergh (seit 2001).

5    Die Vertreter der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETHZ)

Emil Bosshard (1920–1937), Ernst Gäumann (1937–1963), Albert Frey-Wyssling (1964–1970), Kurt Mühlethaler (1971–1987), Richard Ernst (1988–2000), Kurt Wüthrich (seit 2001).

6    Die Vertreter der Universität Basel

Gerhard Hotz (1920–1926), Rudolf Stähelin (1926– 1943), Carl Henschen (1943–1956), Karl Bernhard (1956–1974), Max Burger (1974–1993), Walter Gehring (1994–2006), John P. Maier (seit 2007).

7    Die Vertreter der Universität Bern

Hermann Sahli (1920–1933), Friedrich de Quervain (1933–1940), Hans Guggisberg (1940–1956), Hans Rudolf Signer (1956–1973), Ernst F. Lüscher (1974–1986), Ewald R. Weibel (1987–1999), Christoph Schäublin (seit 2000).

8    Die Vertreter der Universität Freiburg

Gustave Clément (1920–1940), Aloys Müller (1940– 1962), Otto Huber (1964–1980), Franzpeter Emmenegger (1980–1995), Alexander von Zelewsky (1996– 2006), Jean-Pierre Métraux (2007), Jean-Pierre Montani (seit 2008).

9    Die Vertreter und die Vertreterin der Universität Genf

Philippe-A. Guye (1920–1921), Robert Chodat (1922–1934), Emile Briner (1934–1956), Georges Bickel (1956–1960), Eric Martin (1961–1970), Alex F. Muller (1971–1987), Michel Vallotton (1988– 2000), Michel Mayor (2001-2008), Anik de Ribaupierre (seit 2009).

10    Die Vertreter und die Vertreterin der Universität Lausanne

Emile Dind (1920–1933), Louis Michaud (1933– 1956), Alfredo Vannotti (1956–1977), Michel Dolivo (1978–1991), Hans R. Brunner (1992–2000), Maia Wentland Forte (seit 2001).

11    Der Vertreter der Universität Luzern

Die Universität Luzern wurde vom Bund im Jahr 2005 anerkannt.

Paul Richli (seit 2006).

12    Die Vertreter und die Vertreterinnen der Universität Neuenburg

Adrien Jaquerod (1920–1956), Félix Fiala (1956– 1967), Jean-Georges Baer (1968–1972), Charles-Albert Terrier (1973–1982), André Aeschlimann (1983–1996), Anne-Nelly Perret-Clermont (1997-2008), Martine Rahier (seit 2009).

13    Die Vertreter der Universität St.Gallen

Da die Universität St. Gallen weder über eine medizinische noch über eine naturwissenschaftliche Fakultät verfügt, wurde sie erst im Jahr 1998 eingeladen, einen Vertreter oder eine Vertreterin zu ernennen, zum Zeitpunkt also, als der Marcel-Benois-Preis sich den Geistes- und Sozialwissenschaften öffnete.

Johannes Anderegg (1999-2008), Vincent Kaufmann (seit 2009).

14    Der Vertreter der Universität der italienischen Schweiz

Die Universität der italienischen Schweiz wurde vom Bund im Jahr 2000 anerkannt.

Rico Maggi (seit 2001).

15    Die Vertreter der Universität Zürich

Heinrich Zangger (1920–1946), Hans Rudolf Schinz (1946–1961), Gian Töndury (1962–1976), Günter Baumgartner (1977–1991), Rolf Zinkernagel (1991–2000), Martin Schwab (seit 2001).

16    Die Stiftungssekretäre

Fritz Vital (Generalsekretariat des EDI, 1920–1955), J. Erni (Generalsekretariat des EDI, 1956–1966), Walter Buser (Generalsekretariat des EDI, anschliessend Bundeskanzlei, 1966–1987), Paul Moll (Generalsekretariat des EDI,1987–1993), Jean-François Conscience (Bundesamt für Bildung und Wissenschaft, danach Staatssekretariat für Bildung und Forschung, 1993-2009), François Baumgartner (Generalsekretariat des EDI, seit 2009).

 
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